- Produktivität geht auf der Baustelle selten in der Ausführung verloren, sondern an den Schnittstellen zwischen den Gewerken.
- Klare Ablaufplanung, geordnete Baustelleneinrichtung und eindeutige Zuständigkeiten wirken schneller als jede neue Software.
- Digitale Werkzeuge wie Building Information Modeling und cloudbasierte Anwendungen helfen, wenn alle Beteiligten damit arbeiten.
- Neue Technik bringt nur dann Nutzen, wenn Schulung und Einführungsprozess mitgeplant sind.
- Ein wiederkehrender Zeitfresser ist die Materialbeschaffung: Wege zum Container, zum Lager oder zum Baumarkt.
Bauunternehmen arbeiten unter Bedingungen, die sich schlecht standardisieren lassen: wechselnde Orte, wechselnde Teams, wechselnde Witterung. Genau deshalb wirken hier organisatorische Verbesserungen stärker als in vielen anderen Branchen. Dieser Beitrag beschreibt, an welchen Stellen sich Produktivität in Bauunternehmen realistisch verbessern lässt.
Wo Produktivität auf der Baustelle verloren geht
Die verlorene Zeit liegt selten in der eigentlichen Ausführung. Sie entsteht davor und danach: beim Warten auf das Vorgewerk, beim Suchen von Werkzeug, beim Klären von Zuständigkeiten, bei Wegen zum Container und beim Nacharbeiten von Leistungen, die auf falscher Informationsgrundlage erbracht wurden.
Wer Produktivität verbessern will, sollte deshalb zuerst messen, wo die Zeit tatsächlich hingeht, statt pauschal Druck auf die Ausführung zu geben. Häufig zeigt sich, dass ein einzelner wiederkehrender Ablauf mehrere Stunden pro Woche kostet und mit vergleichsweise geringem Aufwand zu beheben ist.
Arbeits- und Baustellenorganisation
Der größte Hebel liegt in der Ablaufplanung und in der Minimierung von Schnittstellen zwischen den Gewerken. Dazu gehören mehrere Punkte:
- Ablaufplanung mit Zeit- und Ressourcenbezug. Wer wann welche Fläche, welches Gerät und welches Personal benötigt, gehört vor Baubeginn abgestimmt.
- Durchdachte Baustelleneinrichtung. Lagerplätze, Container und Zuwegungen so anzuordnen, dass kurze Wege entstehen, spart über die gesamte Bauzeit erhebliche Zeit.
- Eindeutige Aufgabenzuweisung. Jede Aufgabe braucht eine verantwortliche Person, nicht eine verantwortliche Kolonne.
- Rückmeldung aus der Ausführung. Die Beschäftigten auf der Baustelle wissen am genauesten, welcher Ablauf hakt. Ein festes Format, in dem diese Hinweise landen, ist wirksamer als jede Einzelinitiative.
Eine geordnete Arbeitsumgebung wirkt dabei doppelt: Sie steigert die Effizienz und sie erhöht die Motivation der Beschäftigten, weil weniger Zeit in vermeidbarem Ärger versickert.
Digitale Werkzeuge sinnvoll einsetzen
Building Information Modeling, kurz BIM, unterstützt die Zusammenarbeit aller Beteiligten, weil Planungsstände an einem Ort zusammenlaufen und Kollisionen früher sichtbar werden. Cloudbasierte Anwendungen sorgen dafür, dass Pläne, Aufmaße und Änderungen auch auf der Baustelle verfügbar sind und nicht erst im Büro nachgetragen werden müssen.
Der Nutzen entsteht allerdings erst, wenn alle Beteiligten dieselben Werkzeuge nutzen. Arbeitet ein Gewerk weiter mit Papierplänen und Zuruf, entstehen zwei Wahrheiten, und der Abgleich kostet mehr Zeit als vorher. Vor der Anschaffung lohnt daher die Frage, welches konkrete Problem das Werkzeug lösen soll und wer damit arbeiten wird.
Einführung neuer Technik: Schulung entscheidet
Neue Software oder neue Technik auf der Baustelle scheitert selten an der Technik. Sie scheitert daran, dass die Einführung nicht als Prozess geplant wurde. Notwendig sind mindestens ein definierter Einführungsablauf, benannte Ansprechpersonen, eine Schulung für alle Beteiligten und eine Phase, in der Rückfragen zulässig sind, ohne dass sie als Widerstand ausgelegt werden.
Wo diese Punkte fehlen, wird das neue System parallel zum alten geführt. Der Aufwand steigt, der erwartete Effekt bleibt aus, und die nächste Neuerung hat es im Betrieb noch schwerer.
Was das für die Materialausgabe im Betrieb bedeutet
Zu den wiederkehrenden Zeitfressern gehört die Bereitstellung von Werkzeug, Schutzausrüstung und Verbrauchsmaterial. Ein Ausgabeautomat im Bauhof oder im Betriebslager macht diese Artikel rund um die Uhr verfügbar, auch vor Schichtbeginn und ohne Ausgabepersonal. Jede Entnahme wird gebucht und der Person zugeordnet, Berechtigungen und Mengenlimits lassen sich pro Mitarbeiter oder pro Gruppe und Abteilung hinterlegen, und der Verbrauch ist nach Kostenstelle auswertbar. Damit wird auch die Zuordnung zu einzelnen Bauvorhaben nachvollziehbar. Welche Ausbaustufen dafür infrage kommen, zeigt die Übersicht zu Ausgabeautomaten für Betriebe.